Ein riskanter Ausbau einer Quecksilber-Hochdrucklampe

Themen zu Gasentladungs-Lichtquellen.

Ein riskanter Ausbau einer Quecksilber-Hochdrucklampe

Beitragvon Olav » Donnerstag 22. März 2018, 14:48

Hallo zusammen,

im Dezember 2017 war auf eBay-Kleinanzeigen eine LBL-Hängeleuchte 5213-2005-68 angeboten. Die Leuchte selbst war nicht unbedingt so interessant, sondern ihre Bestückung.
In der Leuchte befand sich eine funktionsfähige NARVA HQA 250. Die Leuchte hat mir mein Freund Michael aus Sachsen abgeholt, ganz herzlichen Dank nochmals dafür.

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Die im Dezember 2017 auf eBay-Kleinanzeigen angebotene Hängeleuchte, bestückt mit der NARVA HQA 250.


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Bei genauer Betrachtung stellte sich heraus, daß der gesamte Kleber im Sockel mittlerweile zerbröselt war und aus dem Sockel fast vollständig herausgefallen war. Damit hing der Kolben der Lampe nur noch an den beiden Drähten der Zuleitung lose herum. Ein einfaches Herausdrehen war damit unmöglich geworden, ohne der Lampe den Hals abzudrehen. Einige Stunden habe ich überlegt und den Aufbau der alten, zweiteiligen Keramikfassungen aus der DDR-Produktion studiert.

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Die einzige Möglichkeit habe ich darin gesehen, daß man den Bereich des aus der Fassung herausragenden Teils des Sockels mit zwei Fingern umfasst und dann sehr vorsichtig herausdreht. Ich habe mich für das sehr vorsichtige Zerschlagen des Oberteils der Keramikfassung mit Hammer und Flachmeißel entschieden. Das Risiko den Kolben der Lampe zu beschädigen ist natürlich da. Ich habe den Kolben der Lampe mit einem Lappen umwickelt und den Flachmeißel am Oberteil der Fassung angesetzt und in Richtung nach links auf dem Bild die Schläge sehr vorsichtig ausgeführt.

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Das erste Stück aus dem Oberteil der Keramikfassung ist gut ausgebrochen. So habe ich dann an weiteren Stellen angesetzt und mit vorsichtigen Schlägen immer wieder weitere Stücke der Keramikfassung abgeschlagen, bis ich den Lampensockel mit zwei Fingern gut umfassen konnte. Hier auf dem Bild ist die Lampe bereits unbeschädigt herausgedreht aus der Fassung.

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Hier nun die Lampe endlich heil herausgedreht aus der Fassung in meiner Hand. Dahinter die Bruchstücken des Oberteils der Keramikfassung. Eine riskante Aktion, die sich sehr gelohnt hat.

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Hier nochmal der Hammer und der Flachmeißel, mit dem ich das Oberteil der Keramikfassung vorsichtig zerschlagen habe.

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NARVA HQA 250 72 II, also im zweiten Quartal 1967 hergestellt. Jetzt ist nur noch das Luxusproblem zu lösen, mit welchem Zement der Kolben wieder richtig fest in den Sockel eingeklebt werden kann.

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Freundliche Grüße

Olav
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Re: Ein riskanter Ausbau einer Quecksilber-Hochdrucklampe

Beitragvon Bitburger » Donnerstag 22. März 2018, 14:59

schön gerettet! Klasse Aktion. Die Hülse aus der Fassung muss doch trotzdem noch recht schwer vom Sockel abgegangen sein?
Auf den Zement bin ich auch gespannt.

Was meint der Verkäufer mit Umbau auf 240V und normalen Stromanschluss ?
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Re: Ein riskanter Ausbau einer Quecksilber-Hochdrucklampe

Beitragvon Topfleuchte » Donnerstag 22. März 2018, 15:46

Hallo Olav,

Glückwunsch dazu! :sm023: :g)

Diese Leuchte hatte ich auch schon auf dem Schirm, war mir persönlich etwas zu teuer, obwohl es eigentlich schon allein wegen des Leuchtmittels noch ganz OK war.

Sehr riskante Aktion, zum Glück hast du noch eine Originale E40 Keramikfassung auf Lager.

Viele Grüße

Cedric
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Re: Ein riskanter Ausbau einer Quecksilber-Hochdrucklampe

Beitragvon Emil » Donnerstag 22. März 2018, 16:01

Sehr schöne HQA was hat die Straßenlampe den für ein VG ?
Ich besitze Eine BG0 eine RSL1 Und eine R70 Käseglocke und einen Löffel vom 5 1966 eine R70 f von 1975 und eine Topfleuchte an Straßenlampen
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Re: Ein riskanter Ausbau einer Quecksilber-Hochdrucklampe

Beitragvon Konsumleuchte » Donnerstag 22. März 2018, 16:49

Hallo Olav,

eine sehr schöne lampe die du da retten konntest. Herrlich :sm023: . So eine hätte Ich auch noch gerne in meinem Bestand :gcool: . Super, dass es dir gelungen ist das selten gewordene Stück Technik aus der Leuchte zu bergen.

Ich kann dir da einen guten Tipp geben mit was sich der Kloben wieder fast authentisch am Gewindesockel befestitgen lässt. Denn Ich hatte ja vor nicht all zu langer Zeit das gleiche Problem mit meiner großen OURW und der sich darin befindenen HQLD von Narva. Hatte es auch mit Mühe und not geschafft Sie da aus ihren Fassungen heil zu bergen.
Der Clou heißt hier: Auspuffkit :g!: . Das Zeug ähnelt sich nicht nur in seinem Aussehen dem einstigen Kleber sondern auch in Sachen Klebekraft und Hitzebeständigkeit :g) .

Ich hatte das noch übrig gehabt und großzügig zischen die Fassung und den Kolben gestopft. Da war zum Glück auch noch so viel Platz dazwischen, dass man es getrost mit den Fingern machen konnte :gsmile: . Ansonsten hätte Ich das mit einem breiten und Flachen Schraubendreher bewerkstelligt. Dann hatte Ich das alles über Nacht trocknen lassen. So das schon mal eine gute Grundfestigkeit da war. Alles überstehende oder verschmierte, was von dem Kit noch über war und anhaftete, wurde durch vorsichtiges abkratzen entfernt. Ein schön scharfes Cutter hatte mir hier gute Dienste geleistet.
Abschließend hatte Ich die Lampe in Betrieb genommen und "einbrennen" lassen. Denn erst durch die Hitze der Lampe erhält der Kleber in dem Kit seine volle Festigkeit. Das sollte dann mindestens bis zum Lebensende der Lampe halten und du müsstest kaum einen Unterschied zum Original sehen :gwink: .

Schöne Grüße

Nico
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Re: Ein riskanter Ausbau einer Quecksilber-Hochdrucklampe

Beitragvon Glasei » Freitag 23. März 2018, 12:39

Starkes Teil ! :sm023: So eine Sorte HQA kannte ich gar nicht.
Wenn vor allem noch eine baugleiche Ersatzfassung da ist, haste einen Spitzengriff gemacht.
Ihr da ohm ! Macht watt ihr volt !!!
Das Lichtparaden-Forum - Wir beleuchten alles ! :sm040:
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Re: Ein riskanter Ausbau einer Quecksilber-Hochdrucklampe

Beitragvon Michael » Dienstag 27. März 2018, 17:06

Olav Super das du das lämpchen dort heile rausgebracht hast sehr schön
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Re: Ein riskanter Ausbau einer Quecksilber-Hochdrucklampe

Beitragvon Olav » Sonntag 1. April 2018, 09:27

Hallo zusammen,

danke für alle Antworten und Fragen von euch.

Den Ratschlag von Nico mit dem Auspuffkitt werde ich weiter verfolgen und mich erkundigen im Fachhandel.
Der Sockel ist ja aktuell ganz locker und der Kolben hängt nur an den beiden Zuleitungen. Damit beantworte ich auch die Frage von Martens gleich. Der Sockel ging nicht leicht herauszudrehen mit den Fingern. Mit einer Zange hätte man ihn vermutlich bei der Aktion unnötig zerdrückt und zerkratzt. So mit Daumen und Zeigefinger umfaßt ging das noch einigermaßen.
Das Vorschaltgerät in der Leuchte ist braunes von Weltor, was mit diesem transparenten Lack überzogen ist.

Freundliche Grüße

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Re: Ein riskanter Ausbau einer Quecksilber-Hochdrucklampe

Beitragvon Konsumleuchte » Montag 2. April 2018, 20:10

Nabend Olav,

du schriebst:
Der Sockel ging nicht leicht herauszudrehen mit den Fingern. Mit einer Zange hätte man ihn vermutlich bei der Aktion unnötig zerdrückt und zerkratzt. So mit Daumen und Zeigefinger umfaßt ging das noch einigermaßen.


Da hatte Ich bei mir wohl noch Glück im Unglück! Augenscheinlich saßen bei mir die Fassungen auch richtig fest. Nach etwas einwirkenden Rostlöser und einem kleinen ersten Ruck ließen sie sich aber ganz langsam mit einer dünnen Telefonzange vorsichtig aus den Fassungen drehen ohne das dabei etwas zu Bruch ging :g) . Aber Kratzer entstanden dabei natürlich auf den Fassungen der Lampen :roll: .

Schöne Grüße

Nico
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